Wenn man die eigenen Schuljahre dazu rechnet, dann war Christoph Breuer ganze 57 Jahre an der Schule. Die letzten 23 Jahre als Konrektor und als Schulleiter an der Realschule Unterpfaffenhofen. Jetzt verabschiedet er sich in den Ruhestand. Als er 1999 nach Germering kam, war die Realschule noch vierstufig. 349 Jugendliche besuchten die siebten bis zehnten Klassen. Zwei Jahre später kamen erstmals Kinder in die neuen fünften Klassen. Heute besuchen 847 junge Menschen die Realschule.
2006 wurde Breuer zum Schulleiter berufen. Seitdem gilt bei ihm die Maxime: „Erziehen und bilden und genau in dieser Reihenfolge“. Die Schüler und Schülerinnen haben ihrem scheidenden Direktor viel zu verdanken. Zum Beispiel das LOB-Projekt. „Lernen optimistisch bewältigen – mit Lob“ heißt das Ganze. Die Idee hatte Breuer, nachdem im ersten Halbjahr des Schuljahres 2018/19 bereits 596 Nacharbeiten, 62 Verweise und zwei verschärfte Verweise wegen nicht gemachter Hausaufgaben ausgesprochen worden waren. Breuer schlug ein Umdenken vor. Statt zu strafen, sollten künftig Einsatz und Leistung belohnt werden. Verbesserungen bei Noten oder vorbildliches Verhalten wurde mit „Lobzetteln“ bedacht. Diese waren gleichzeitig auch Lose. Bei der Ziehung können Preise wie Hausaufgabengutscheine, das Privileg die Lehrertreppe zu benutzen, Pizza, Kino, ein Kasten Getränke für die Klasse und anderes gewonnen werden,
Die von Breuer angefertigte Lostrommel war schnell zu klein für all die gesammelten Zettel. Jetzt werden die Lose in einem Betonmischer durchmischt und das Projekt ist „als profilgebende Besonderheit unserer Schule fest etabliert“, freut sich Breuer.
2005 führte Breuer an der Schule das EVA-System (Eigenverantwortliche Verhaltensänderung) ein. Dabei werden Mädchen und Buben, die im Unterricht stören, in einen Extraraum geschickt. Dort müssen sie schriftlich erklären, was schief gelaufen ist, wie das Verhalten geändert werden kann und wie der versäumte Schulstoff nachgeholt wird. „Jeder hat ein Recht ungestört lernen oder unterrichten zu können“, sagt Breuer.
Dass er einmal eine Schule leiten würde, schien am Anfang seiner Schullaufbahn ziemlich abwegig. Der Pasinger Bub war nämlich Legastheniker. „Das war das echt eine Herausforderung“, erinnert er sich an seine Schulzeit. Er hat es trotzdem geschafft, „wir Legastheniker müssen uns doppelt anstrengen und üben, üben, üben“. Studiert hat er dann Englisch und Kunst.
Für den Ruhestand hat Breuer schon Pläne. Als Erstes steht die Hochzeit seines Sohnes an. Gemeinsam mit seiner Frau wird er danach nach Paris radeln, „und zwar mit Muskelkraft“, berichtet der leidenschaftliche Radler stolz. Dann gibt es noch die betagten Eltern, um die er sich kümmern wird. „Außerdem werde ich mir ein soziales Engagement suchen“. Trotz aller Vorfreude kann Breuer etwas Wehmut nicht verhehlen. „Mich hat mein Beruf wirklich erfüllt“, erklärt er. Konrektor Carsten Wibranski wird die Schulleitung kommissarisch übernehmen.