Worum fragt man einen Fotografen während eines Interviews? „Fotografieren Sie mal!“ Herbert Becke ist kein gelernter, sondern ein "angelernter" Fotograf und erhält für seine Werke internationale Auszeichnungen.
So gewann er einen Preis bei dem weltweit größten Foto-Kunst-Wettbewerb (Super Circuit von Trierenberg). Im Mittelpunkt stand aber keine Frau, sondern eine Sprintstarthilfe und die verwischten, bewegten Fersen eines Läufers. Unter 130.000 Teilnehmern wurde Herbert Beckes Foto von einem zum Sprint bereiten Läufer mit einer Goldmedaille gekürt. Das Gewinnerbild wurde während der bayerischen Leichtathletikmeisterschaften aufgenommen: mit der Kamera auf dem Boden und einer längeren Verschlusszeit, um die Dynamik während des Starts beim Lauf zu zeigen.
Beckes Kamera-Baujahr ist 2010, sein eigenes ist 1950. Er ist gebürtiger Münchner und spricht mit dem aus Norddeutschland stammenden Reporter der Verständigkeit halber Hochdeutsch - "gepflegtes Münchnerisches Hochdeutsch", versteht sich.
So erzählt er, dass er schon als Berufseinsteiger ein hohes Amt innehatte: Er leitete die Volkshochschule im Norden des Landkreises München (sprich, war verantwortlich für die Gebiete Unterschleißheim, Garching, Ismaning und Unterföhring). In 33 Jahren schaffte er es, sie zur zweitgrößten Erwachsenenbildungseinrichtung in Oberbayern aufzubauen.
Von seinem allerersten Gehalt kaufte er sich eine Kamera. Auf seinem ersten Urlaub verliebte er sich in die Landschaft Ostfrieslands. Mit seiner Kamera fing er das Wattenmeer und die Dünen auf eine derart interessante Weise ein, dass ihm damals das Bürgerhaus in Garching eine Ausstellung gewidmet hatte.
Doch was ist er heute? Die Frage nach dem eigenen Beruf ist immer so eine Sache. Er sieht es seit geraumer Zeit als sein Ziel an, anderen Kreativen ihren Raum zu geben. Zu seinem Beruf sagt er schließlich: „Ich bin Kulturermöglicher!“ Hier ein Paar Beispiele: Er gründete '77 und '78 Musikschulen in Garching und Ismaning. Er organisiert die Münchner Fototage und gründete den VHS-Fotoclub "CC77". Er war sechs Jahre lang Vorsitzender des Bezirksausschusses im Harthof (Milbertshofen-Hart-Schwabing-Nord), dem Stadtteil, in dem ihn seine Mutter in einer Sozialwohnung alleine erzogen hatte. Er spielte fünf Jahre lang als Karl Valentin, den er sehr verehrt, in den Münchner Wirtshäusern und im Deutschen Theater. Heute ist er so bekannt, dass er selbst während dieses Interviews von fremden Menschen angesprochen wird.
Schlussendlich wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen: und neuerdings auch die Auszeichnung eines renommierten Fotowettbewerbs. Weiter so!
Weitere Informationen zu Beckes spannendem Schaffen gibt es unter www.derbecke.de
Daniel Mielcarek