Geschichte ist kein typisches Lieblingsfach. Kinder interessieren sich für Ritter und Prinzessinnen. Sonst bewegen sie sich aber eher in der Gegenwart und spielen Fußball oder Computer. Nicht so an der Grundschule in der Fröttmaninger Straße: Die zwölf Klassen dort erarbeiteten je ein Thema, das mit der Geschichte und der Gegenwart der Siedlung an der Alten Heide zu tun hat. Beim Schulsommerfest am vergangenen Freitag stellten sie ihren Eltern und Mitschülern die Arbeiten vor.
Zum 850. Stadtgeburtstag wurden alle Münchner Schulen aufgerufen, sich mit einem Beitrag an den Feierlichkeiten zu beteiligen. Die Fröttmaninger Schule sagte schnell zu. »Aber wir machen das auf unsere Weise«, erklärte Lehrerin Iris Widmaier. Die ganze Stadt erschien ihr als Bezugspunkt zu groß zu sein. Im eigenen Viertel kennen die Grundschüler sich aus. »Deshalb lag die Frage Hier bin ich und was gibt es hier eigentlich? nah«, so Widmaier.
Sie gab sich mit ihrer zweiten Klasse das Thema Wasser vor. Hierfür lasen sie nicht nur Märchen wie den »Froschkönig«, die mit dem Element zu tun haben. Sie recherchierten ferner, wo in der Gegend Brunnen stehen. Spannend war der Besuch im Regenwasserkanal, den die Klasse zu Forschungszwecken unternahm.
Eine Klasse lichtete die »Alte Heide aus Kinderaugen« ab. Dabei entstanden ungewöhnliche Fotos mit unterschiedlichsten Motiven: ein Gartenzwergensemble, ein »cooler weißer Roller« mit rotem Ledersitz, der »schiefe Turm der alten Heide«, gesehen in einem verbogenen Zaunpfahl, vergitterte Fenster oder rankende Blumen.
In der Vergangenheit wurde im historischen Schulgebäude nicht nur erzogen: In den Wohnungen des 20er-Jahre-Baus gab es fließendes Wasser und Toiletten, was sehr fortschrittlich war für die Entstehungszeit, wie Lehrerin Widmaier betont. Die Bäder befanden sich aber im Keller des Schulhauses. Dort konnten die Besucher am Schulfest hautnah erleben, wie früher mit Lauge und Waschbrett Wäsche gewaschen wurde.
Drei Stockwerke höher baute Marianne Kredler mit ihrer ersten Klasse den »Konsum« des Viertels nach. Mit alten Waagen maßen die Kinder Getreide, Nüsse oder Bonbons ab und verkauften sie zu Preisen von früher, zum Beispiel 50 Gramm Hafer für 10 Cent. »Der Konsum war das einzige größere Kolonialwarengeschäft«, erklärt Kredler. Hier konnten die Bewohner des Arbeiterviertels Lebensmittel kaufen. Während der Vorbereitung lernten die Erstklässler, »dass man Milch früher in der Kanne gekauft hat und die Kinder viel arbeiten mussten«. Nebenbei übten sie ein bisschen Mathe, als sie das Rückgeld ausrechnen mussten.
Am Ende des Nachmittags entstand nicht nur das Gefühl, dass eine ganze Schule viel Zeit in ein aufwändiges Projekt gesteckt hat. Mit einer Umgebung voller Geheimnisse, die die Kinder für sich entdecken können, kann man ihnen offensichtlich sogar Geschichte schmackhaft machen.
Jana Lotze
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