Wenn es um Kunst geht, scheiden sich die Geister. So auch beim „Schneckengarten“ am Schneckenplatz. Hier hat Künstlerin Dana Lürken ein Beet für Nutz- und Zierpflanzen vor die Füße der Schnecke gelegt. Die Skulptur, wegen der der Platz am Verkehrsmuseum „Schneckenplatz“ genannt wird, trägt eigentlich den Titel „Sweet Brown Snail“. Sie entstand als Kunst am Bau 2007 und stammt von den amerikanischen Künstlern Jason Rhoades und Paul McCarthy. Dana Lürken schuf dazu ein partizipatives Kunstwerk, bei dem Anfang Mai gemeinsam mit Kindern und Familien das Beet bepflanzt wurde. 5.276,72 Euro Zuschuss beantragte die Künstlerin nun beim Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe (BA 8) dafür. Vor allem Gieß-Kosten in Höhe von rund 3.000 Euro schlagen dabei stark zu Buche. In seiner Ferien-Sitzung diskutierte der BA kontrovers über die Bewilligung.
Holger Henkel (SPD) führt Argumente gegen die Bezuschussung an: Der „Schneckengarten“ sei an ein bereits vorhandenes Kunstwerk rangebaut, was kultureller Aneignung gleichkomme. Auch verbauten die Pflanzen die Schnecke und damit ein Fotomotiv, das sich als Wahrzeichen der Schwanthalerhöhe etabliert hat. Zudem werde das vergleichsweise kleine Kunstprojekt langsam zu teuer. Auf dem versiegelten Platz ein künstlich angelegtes Beet zu erhalten, hält Henkel für nicht sinnvoll und für „Verschwendung öffentlicher Gelder“. Alternativ könnte man ein Beet in die angrenzenden Grünflächen pflanzen, was weniger extra Gießwasser nötig machen würde, so Henkels Vorschlag. Diesen Argumenten pflichtet Uwe Trautmann, als Vertreter der CSU-Fraktion im Ferienausschuss bei.
Anders sieht es BA-Vorsitzende Sibylle Stöhr (Grüne): „Die Aktion hat dem Platz sehr gut getan.“ Parteikollege Michael Schelle initiierte sogar einen Antrag auf Verlängerung des Kunstprojekts mit dem Argument, dass der alte Messeplatz „um eine weitere Attraktion bereichert“ würde. „Gleichzeitig leistet das Beet zwar einen sehr kleinen aber wichtigen Beitrag bei der allgemein notwendigen Begrünung von versiegelten Flächen in unserem Stadtbezirk“, heißt es in seinem Antrag.
Wer aber würde die Gieß-Kosten tragen, wenn der „Schneckengarten“ noch länger erhalten werden soll? Im BA fand man schließlich einen Kompromiss, der mehrheitlich verabschiedet wurde: Die Künstlerin erhält nun 3.000 Euro als Zuschuss, um die Gießkosten bis September stemmen zu können. Darüber hinaus wird das Baureferat Abteilung Gartenbau gebeten zu prüfen, ob der „Schneckengarten“ dauerhaft erhalten werden kann. Demnach würde die Behörde auch etwaige Kosten fürs Gießen einkalkulieren und wäre dann dafür zuständig.